Rückblick 11. IKVB 2026
Ende Januar trafen sich Kulturvermittler:innen aus Theatern und Orchestern zur 11. Konferenz für Institutionalisierte Kulturvermittler:innen im Bereich Bühne (IKVB) in Saarbrücken. Zwei Tage lang standen Austausch, künstlerische Praxis und Fragen nach der gesellschaftlichen Rolle von Theatervermittlung im Mittelpunkt. Gastgeber war das Saarländische Staatstheater, dessen Team vor Ort die Konferenz gemeinsam mit dem Landesverband Mitte des Deutschen Bühnenvereins organisiert hat.
Die Konferenz stand unter dem Titel „Partizipation und Politik im Theater. Zwischen Party und Protest.“ und verband künstlerische Impulse, Workshops und gemeinsame Theaterbesuche zu einem Programm, das aktuelle Herausforderungen der Theatervermittlung in den Fokus rückte.
Partizipation als Haltung – der Auftaktimpuls
Zum Auftakt der Konferenz sprach Beata Anna Schmutz, Leiterin des Mannheimer Stadtensembles am Nationaltheater Mannheim, über partizipative Kunst und Beziehungspraxis. Ihr Vortrag nahm die Arbeit des Stadtensembles als Beispiel, um zu zeigen, wie langfristige Beziehungen zwischen Theater und Stadtgesellschaft entstehen können – und welche künstlerischen, strukturellen und institutionellen Fragen sich daraus ergeben.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass viele Teilnehmende die grundlegenden Fragen des Vortrags als sehr relevant empfanden. Besonders hervorgehoben wurde die Praxisnähe des Themas und der Einblick in konkrete Arbeitsprozesse partizipativer Kunst. Gleichzeitig zeigte das Feedback auch, dass sich einige Teilnehmende noch mehr konkrete Beispiele oder Raum für Austausch gewünscht hätten.
Diese Mischung aus Inspiration und kritischer Reflexion prägte den weiteren Verlauf der Konferenz.
Workshops: Methoden, Haltung und politische Praxis
Ein zentraler Bestandteil der IKVB-Konferenz sind traditionell die Workshops. Auch in Saarbrücken boten sie Raum für intensives praktisches Arbeiten.
Am ersten Konferenztag standen drei Formate zur Auswahl:
- Uta Plate leitete einen Workshop zum Thema politisches Arbeiten im Theater: „Politik ins Spiel bringen, Protest erforschen – dokumentarisch, spielerisch, gemeinsam“. Hier ging es darum, wie politisches Material – etwa Protestbilder oder Interviews – in theatrale Formen übersetzt werden kann. Die Teilnehmenden bewerteten den Workshop sehr positiv und hoben insbesondere die intensive Arbeitsatmosphäre und den starken Praxisbezug hervor.
- Der Mut-Muskel-Workshop der Radikalen Töchter beschäftigte sich mit Aktionskunst, politischem Aktivismus und künstlerischer Selbstermächtigung. Viele Teilnehmende beschrieben das Format als besonders inspirierend und kreativ. Der Workshop verband spielerische Methoden mit Fragen nach Haltung, Mut und politischer Wirksamkeit kultureller Arbeit.
- Beata Anna Schmutz bot zusätzlich einen Praxisworkshop zum Thema künstlerische Forschung mit jungen Menschen an. Hier standen Methoden im Mittelpunkt, die künstlerische Praxis, dokumentarisches Arbeiten und partizipative Forschung miteinander verbinden.
Am zweiten Konferenztag wurden die Perspektiven noch einmal erweitert: In Zusammenarbeit mit dem Adolf-Bender-Zentrum fanden Workshops zu demokratischer Bildung, Argumentationsstrategien gegen Vorurteile sowie Anti-Bias-Training statt. Besonders das Betzavta-Format zur demokratischen Entscheidungsfindung wurde von vielen Teilnehmenden als sehr relevant und praxisnah bewertet.
Theater als (Selbst-)Erfahrungsraum - für wen?
Neben Workshops und Diskussionen gehörten auch gemeinsame Theaterbesuche zum Programm. Sie boten Gelegenheit, künstlerische Perspektiven auf gesellschaftliche Themen direkt im Theaterraum zu erleben.
Zu sehen waren an drei Abenden:
- Napoleon von Armin Petras
- Mädchenschrift von Özlem Özgül Dündar, ein partizipatives Projekt mit FLINTA*-Personen, inszeniert von Nike Steinbach
- sowie das Gastspiel Geld ist klasse. Ungleichheit und Überreichtum. von Marlene Engelhorn, Lothar Kittstein, Volker Lösch und Marlene Reiter
Gerade diese Verbindung aus theoretischem Austausch, praktischen Methoden und konkreten Theatererlebnissen wurde von vielen Teilnehmenden als wertvoll hervorgehoben.
Feedback: Austausch, Inspiration und neue Perspektiven
Die Rückmeldungen zur Konferenz zeigen insgesamt ein sehr positives Bild. Ein großer Teil der Teilnehmenden würde die IKVB-Konferenz weiterempfehlen, und auch Organisation und Räumlichkeiten wurden überwiegend sehr positiv bewertet.
Inhaltlich nahmen viele Teilnehmende vor allem drei Dinge mit:
- neue Impulse für die eigene Arbeit,
- konkrete Methoden und Ideen für Projekte,
- und den Austausch mit Kolleg*innen aus anderen Häusern.
Mehrfach wurde betont, wie wichtig dieser Austausch ist – nicht zuletzt, weil viele Kulturvermittler:innen in ihren Institutionen relativ kleine Teams bilden und Konferenzen wie die IKVB eine seltene Gelegenheit bieten, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen.
Neben viel positivem Feedback gab es auch konstruktive Hinweise für kommende Ausgaben. So äußerten einige Teilnehmende den Wunsch nach noch stärker moderierten Austauschformaten – etwa World-Café-Formaten, moderierten Gesprächsrunden oder strukturierten Vernetzungsmöglichkeiten.
Dank an das Team in Saarbrücken
Ein besonderer Dank gilt dem Team des Saarländischen Staatstheaters, das die Konferenz vor Ort ermöglicht und begleitet hat – insbesondere Luca Pauer und den Mitarbeitenden der Theatervermittlung sowie den Mitgliedern der Offenen Bühne und den Theaterscouts, die die Veranstaltung aktiv mitgestaltet haben.
Ausblick
Die IKVB-Konferenz hat sich in den vergangenen Jahren als wichtiger Treffpunkt für Theater- und Musikvermittlung etabliert – als Raum für kollegialen Austausch, neue Ideen und gemeinsame Reflexion über die Rolle von Kunst und Kulturvermittlung in unserer Gesellschaft.
Die 12. IKVB-Konferenz ist bereits in Planung und wird Anfang 2027 stattfinden. Ort und Termin werden in Kürze bekannt gegeben.
Wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen und auf weitere Gespräche über die Zukunft der Theater- und Musikvermittlung.