Aktionstag am 21. Mai: Statement von Apostolos Tsalastras
Die deutsche Gesellschaft sowie die in den anderen europäischen Ländern zeichnen sich durch ihre gelebte Vielfalt aus.
Eine kulturelle Vielfalt, die auf vielen Ursachen basiert: Durch Bildung sind verschiedenste Lebensentwürfe, kulturelle Gestaltungsalternativen, künstlerische Ausprägungen sichtbar und erfahrbar geworden. Je größer die Teilhabe der Menschen an Bildung, desto unterschiedlicher werden auch die Lebensentwürfe. Gleichzeitig sind viele unterschiedliche kulturelle Einflüsse durch Reisen erfahrbar geworden, und Migration bringt seit Jahrtausenden kulturelle Lebenserfahrungen und Lebensentwürfe aus aller Welt nach Europa.
Aber auch die verschiedenen sozialen Realitäten, in denen die Menschen aufwachsen, erzeugen unterschiedliche Erfahrungen, aus denen ganz unterschiedliche Lebensentwürfe entstehen. Verschiedene Religionen bringen andere Ansichten auf die Welt und das Zusammenleben hervor. Sogar Geschlechterrollen und das Ausbrechen aus ihnen erzeugen neue Lebensentwürfe.
Zusammengefasst bedeutet gelebte Individualität immer auch gelebte Vielfalt.
Unser Grundgesetz und auch die Gesetze und Verfassungen aller demokratischen Gesellschaften schützen diese Individualität und erkennen die Würde eines jeden Menschen als unantastbar an.
Diesem Gesellschaftsentwurf der Vielfalt steht die Ideologie der „völkischen“ Gesellschaft gegenüber, die ein „Volk“ als biologisch, ethnisch und kulturell reine Gemeinschaft definiert. Diese sich verbreitende radikal nationalistische Ideologie, die auf Ausgrenzung und Trennung beruht und unterschiedliche Wertigkeiten von Menschen und ihren verschiedenen kulturellen Lebensentwürfen und Herkünften propagiert, ist Wegbereiter von Antisemitismus, Rassismus und Sozialdarwinismus. Sie definiert sich über die Ausgrenzung der sogenannten Anderen. Wer sich nicht dem Bild von der völkischen Idee von Gemeinschaft unterordnet, gehört nicht dazu und hat zumindest nicht die gleichen Rechte.
Dies macht deutlich, wie konstituierend Vielfalt für unsere Demokratie ist. Wer diese Vielfalt schützt und ihr die Freiheit der Entfaltung bietet, schützt unsere Demokratie. Wer sie unterbinden und eingrenzen will, versucht die Grundlagen unserer Demokratie zu zerstören. Zusätzlich wird verkannt, dass ohne Vielfalt unsere kreativen Fähigkeiten eingeschränkt und Innovation und gesellschaftliche Entwicklung erheblich behindert werden. Und schlussendlich findet die Freiheit der Kunst und der Kultur ihr Ende mit der Einschränkung der Vielfalt.
Deshalb ist der Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ so wichtig. Er macht deutlich, wie wichtig die Vielfalt für unsere Demokratie und unser Leben in Freiheit ist. Er macht aber auch deutlich, dass die Verteidigung unserer Freiheit nur gemeinsam gelingen kann. Lasst uns auf bunte, vielfältige Weise diesen Zusammenhalt demonstrieren und mit all unserer Kraft die Vielfalt in unserer Gesellschaft verteidigen.